Liebe Leserin, lieber Leser!
Vor 180 Jahren erschien Kaspar Hauser in der Welt, vor 175 Jahren ist er aus
der Welt gemordet worden, und dennoch lebt das Zeitlose in ihm weiterhin, sein
Symbolgehalt nimmt durch den Lauf der Zeiten sogar noch zu. Seit 10 Jahren
nun gibt es die Festspiele. Als ich sie 1998 in Ansbach gründete, standen
die Vorzeichen bezüglich der Kaspar-Hauser-Rezeption auf einem selten
starken Negativum, heute aber ist z.B. im Karlsruher Jahrbuch 2007 zu lesen: Heute
ist Ansbach, jene Stadt, in der Kaspar Hauser sein tragisches Ende fand, am
intensivsten am Hauser-Gedenken beteiligt, insbesondere mit den Kaspar-Hauser-Festspielen,
die sich das Ziel gesetzt haben, „mit einer zukunftsweisenden Arbeit
zu beginnen, die nun nicht mehr in den möglichst ultimativen Beweis einer
der Forschungsseiten investieren will, sondern den Quantensprung schafft, die
vorhandenen Stellungnahmen aus über 170 Jahren als Tatsache anzuerkennen
und daraus das Phänomen Kaspar Hauser in seiner Weite zu verstehen.“ Auf
eine ebensolche zukunftsweisende Arbeit wartet man in Karlsruhe bisher vergebens… Zu
Beginn war auch für mich die Frage gegeben, ob denn Festspiele der
rechte Begriff sei. Ja, es gibt, trotz allem Übel, aller Verleumdung,
allem Verbrechen und allem Mord eine Qualität, die nicht davon tangiert
wird und unbeschadet die Zeiten durchleuchtet, gleich dem Diamant, der
aus reinem Kohlenstoff bei enormem Druck geboren wird. Dies gilt es zu feiern;
es adequat zu feiern ist jedoch ein stetes Üben.
Vom 25.Juli bis 3. August 2008 finden nun die sechsten Kaspar-Hauser-Festspiele
in Ansbach statt und das Programm scheint sehr viel versprechend zu werden.
Ab März etwa können Sie es unter www.kaspar-hauser-ansbach.de einsehen.
Sie können mir aber auch gerne mailen, wenn Sie ein Programm zugeschickt
bekommen wollen.
Zu den ersten fünf Festspielen hatte ich selbst neun Kaspar-Hauser-Inszenierungen
beigetragen. Dieser Bogen hat sich nun erfüllt, sodass nun eine neue Phase
meiner Intendanz beginnt.
Im Sommer 2007 hatte ich die schöne Aufgabe, eine Gruppe von Schülern
nach Brasilien zu begleiten, um dort mehrere soziale Projekte zu leiten.
Sie hatten das Alter, das ich hatte, als ich dort lebte und das Alter, das Kaspar
Hauser hatte, als er in der Welt erschien. Zudem war es ja in Sao Paulo/Brasilien,
da ich dem Kind Europas erstmals „begegnen“ durfte. So schloss
sich ein wunderbarer Kreis in meinem Leben, nach 21 Jahren an jenem Ort in Portugiesischer
Sprache Vorträge über Kaspar Hauser halten zu können. Die
persönliche Frage nach Herkunft, Heimat und Spracherwerb konnte längst
beantwortet werden.
Diese Seite habe ich vor, alle Monate zu aktualisieren. Ich freue mich auf Ihr
Interesse.
Eckart Böhmer